Published on Interventionistische Linke (https://dresden.interventionistische-linke.org)

Startseite > »Wir wollen nicht immer im eigenen Mief hängen bleiben«

»Wir wollen nicht immer im eigenen Mief hängen bleiben«

Logo Antiberliner
Antiberliner - Kampfblatt für linke Politik und Kultur
Antiberliner

Erschienen in der Ausgabe Nr. 7 des Antiberliners im Juni/Juli 2006.

Die Interventionistische Linke macht in letzter Zeit von sich reden, z.B. bei der Mobilisierung zum »wir wollen alles«-Block auf der Demo gegen Sozialabbau am 3.6. in Berlin und bei den Vorbereitungen gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm. Der Antiberliner hat sich umgehört und mit einer Vertreterin der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) gesprochen, die bei der IL mitmacht.

Uns ist in letzter Zeit zunehmend die Interventionistische Linke (IL) aufgefallen. Wer ist das eigentlich?
Die IL ist ein bundesweiter Diskussions-, Aktions- bzw. Projektzusammenhang von linken Gruppen und Einzelpersonen.Die bei der IL mitmachen, waren und sind aktiv in der Antifa-, AntiRa-, Öko-, Pop-, Kultur- oder Gewerkschaftslinken, in internationalistischen, feministischen, sozialrevolutionären oder antimilitaristischen Initiativen. Es sind Leute aus Zeitungsprojekten wie der Arranca, der Fantomas, dem AK und der So oder So, aus Gruppen wie Avanti aus Norddeutschland, Radikale Linke aus Köln und Nürnberg, dem Zusammenhang Libertad und viele mehr, die ich jetzt hier nicht alle aufzählen will. Interessant ist die Mischung von verschiedenen Politikansätzen und -kulturen, also dass sich Leute zusammensetzen, die Demos organisieren, Zeitungen machen und auch jeweils mit ganz anderen Leuten zu tun haben,eben nicht so im eigenen Mief hängen.

Wann und wie habt ihr angefangen
Da muss ich ein bisschen ausholen, denn das was sich jetzt IL nennt, hat schon 1999 als ein eher lockeres Diskussionstreffen nach dem EU Gipfel in Köln angefangen. Das Treffen hat sich eher als ein Diskussionsort von Einzelpersonen verstanden, die über den ganz engen Rahmen ihrer eigenen politischen Schwerpunktsetzung mit anderen über die Zukunft von linker Politik diskutiert haben. Zu dem Treffen sind dann immer mehr dazugekommen und irgendwann war das Bedürfnis da, einen Schritt weiterzugehen. Von der Diskussion zur Intervention kann man das vielleicht beschreiben.

Der Name »Interventionistische Linke« klingt ja eher etwas sperrig und ungewöhnlich. Woher kommt er, und was ist damit gemeint?
Mit Intervention ist erst mal Eingreifen gemeint. Es kommt von dem gemeinsamen Bedürfnis, sich nicht mit einer bloß kommentierenden und kritisierenden Rolle zu begnügen,sondern praktisch in politische und soziale Auseinandersetzungen einzugreifen – eben zu intervenieren.

Was hält euch zusammen oder anders gefragt, was wollt ihr?
Der Ausgangspunkt ist, erstmal festzustellen, dass die Linke in Deutschland ziemlich bedeutungslos ist. Jetzt nicht nur rein zahlenmäßig gesehen, sondern eben von dem her, inwieweit eine Linke in der Lage ist Meinungen zu machen in der Öffentlichkeit, oder einem Ausschnitt der Öffentlichkeit. Wenn man sich mal die Debatte über Migration, Abschiebung und Rassismus in den Medien anguckt. Alles, was dort rüberkommt ist bestenfalls Betroffenheit und eher klägliche Versuche die Ungerechtigkeiten auf der Welt darzustellen.Warum diese Ungerechtigkeiten existieren wird dann ja schon ausgeblendet. Wenn eine Linke eine gewisse Stärke hätte, wäre sie in der Lage, die Diskussion in eine andere Richtung zu drängen.Dass jeder Mensch auf der Welt das Recht hat zu leben, wo er oder sie will, dass jeder Mensch das Recht auf uneingeschränkte Bewegungsfreiheit haben sollte, dass es keine Lager geben sollte, dass MigrantInnen hier leben können sollten wie alle anderen auch usw. Das lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen wie z. B. bei der sozialen Frage, 1 Euro Jobs, Hartz IV und der ganze Mist.Hier fehlt in der öffentlichen Debatte völlig das Gegengewicht, z. B. dass niemand zu beschissenen Jobs gezwungen werden sollte, da jeder und jede das Recht auf ein Leben in Würde und eine Sicherung seiner/ihrer Existenz haben sollte und das ganz ohne »wenn-und-aber« Bedingungen.
Jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, aber eben diese Stimm- und Bedeutungslosigkeit der Linken zu überwinden – daran wird in der IL diskutiert.
Um stärker zu werden, muss man sich aber zusammentun, das ist ja nun eine Binsenweisheit, aber das ist eben sehr wichtig, zu probieren, sich zusammenzutun.

Und was ist daran anders als bei den vielen Netzwerken, Organisationen und Bündnissen, die es gibt oder vorher gab?
Die IL sieht sich eben nicht als Ansatz zur Gründung einer weiteren parteiförmigen Organisation in Konkurrenz zu anderen, die es schon gibt, sondern als ein offenes Projekt, das sich durch Eingreifen in praktische Kämpfe entwickeln soll. Und anders als andere Versuche in letzter Zeit ist sicher auch die Zusammensetzung. Es ist gerade keine Organisierung an einem Schwerpunkt, an dem sich alle schon so ähnlich wie möglich sind, wie das meist versucht wurde, z. B. bei der Antifaorganisierung.

Was macht ihr ganz konkret?
Neben der Debatte um das Selbstverständnis der IL und um die politische Strategie, ist der Schwerpunkt die Mobilisierung nach Heiligendamm zum G8 Gipfel 2007.
Da die IL ja ursprünglich am Rande von Gipfelmobilisierungen entstanden ist, ist es auch nahliegend, dass sie beim G8 in Erscheinung tritt. Ganz konkret haben wir eine Aktionskonferenz in Rostock mit vorbereitet, bei der über 300 AktivistInnen aus unterschiedlichsten Spektren von Umwelt- und Friedensinitiativen bis zur radikalen Linken zusammenkamen und über gemeinsame Aktivitäten gesprochen haben.Wir machen eine regelmäßige Zeitung zur Mobilisierung, die G8 extra, von der bisher eine Nummer herausgekommen ist und eine englischsprachige, die auf dem Sozialforum in Athen verteilt wurde. Wir mobilisieren zum »wir wollen alles«-Block auf der Sozialabbau Demo am 3.6. in Berlin und wollen auch den Zusammenhang von Sozialabbau und dem G8 Gipfel herstellen. Ja, eben Kämpfe zusammenbringen- das war unsere Bemühung bisher und da werden wir auch weiter machen.

  • Website der IL zur Mobilisierung nach Heiligendamm: http://www.g8-2007.de/

 


Source URL (modified on 07/31/2026 - 22:54): https://dresden.interventionistische-linke.org/beitrag/wir-wollen-nicht-immer-im-eigenen-mief-haengen-bleiben