Nato-Manöver in Hamburg stören - Kriegstauglichkeit verweigern - Deutschland verraten

Ein Aufruf zum Rheinmetall-Entwaffnen-Camp in Köln (1.-6.9.) und den Aktionstagen in Hamburg (24.-26.9.)

Alle Zeichen stehen auf Krieg. Ein Krieg, der vermeintlich vermieden werden soll, auf den aber alle gesellschaftlichen Bereiche systematisch eingeschworen und vorbereitet werden, anstatt Wege zu suchen, wie man ihm entkommt. Wir suchen solche Wege. Deswegen sagen wir »nein!«.

Nein zur Logik des Krieges. Nein zu dessen Vorbereitung. Nein zur Instrumentalisierung unserer Städte als Testfläche für Kriegslogistik oder als Produktionsstandorte für Rüstung und Munition. Nein zur Begründung des Krieges im Namen von Freiheit und Demokratie, der eben diese beschränkt und abzuschaffen bereit ist.

Wir treffen uns ab 24. September in Hamburg.

Dort soll im Rahmen des Nato-Manövers »Red Storm Charly« die zivil-militärische Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur, der Handelskammer, Lebensmitteleinzelhändlern, zivilen Krankenhäusern, Rettungsdiensten und vielen mehr exemplarisch eintrainiert und Hamburg als Drehkreuz für den Krieg an der Ostfront - wie die Bundeswehr selbst formuliert - mobil gemacht werden.

Militärmanöver wie das in Hamburg sollen uns glauben machen, der Krieg wäre beherrschbar; durch gute Vorbereitung halb so schlimm. Aber Krieg ist die buchstäbliche Katastrophe. Er wird kein gerechter sein, sondern nur leidvoll und grausam.

Wir haben nicht vor, uns an die Normalität des Kriegsregimes zu gewöhnen. Wir werden uns nicht mit der Deformierung des Zivilen durch Ausgrenzung und Begrenzung unserer Leben abfinden. Wir werden nicht akzeptieren, dass Hamburg Manöverort und Drehkreuz für die Front werden soll. Wir werden das Nato-Manöver stören.

Wir müssen uns verteidigen. Aber gegen was?

Während wir drastische Sozialkürzungen erleben, ist jeder dritte Euro im Bundeshaushalt für Verteidigung vorgesehen. Das ist nicht einfach eine Frage der Umverteilung in die falsche Richtung. Es ist eine der Prioritätensetzung, wovor wir uns schützen müssen.

Nicht die Wetterkatastrophen der Klimakrise, nicht marode Brücken oder einsturzgefährdete Schulen, nicht Armut, Pandemien oder die langen Wartezeiten für medizinische Behandlung sind Anlass für politische Maßnahmen zur Vorsorge und Schutzvorkehrungen. Stattdessen wird uns Sicherheit durchs Militär versprochen. Sicherheit durchs Militär, das aufs Töten ausgerichtet ist? Einer Institution, die die Belange unseres Lebens mit einem Federstrich militärischen Erfordernissen des vermeintlichen Sieges unterordnet und opfern wird?

Wir sagen Nein.

Krieg ist die Knochenmühle, die unendliches Leid bedeutet. Krieg heisst Homogenisierung und Disziplin im Inneren. Die Bevölkerung soll verschmolzen werden mit den Interessen der Regierung und dem abstrakten Anrecht der eigenen Nation. Wir lassen uns aber nicht gemeinmachen mit Interessen, die nicht unsere sind.

Unter dem Banner der nationalen Einheit werden soziale Widersprüche und Kämpfe niedergemäht. Den Gürtel enger schnallen, als alternde Arme die Rentenkürzungen hinnehmen, die Abschaffung des einst erkämpften Acht-Stunden-Tages schlucken und die massiven Kürzung stillschweigend akzeptieren. Was auch immer uns diejenigen erzählen, die von Kriegen profitieren und ihre Machtbereiche ausweiten wollen: Kriege werden nicht für uns geführt oder für die Verteidigung von Werten, sondern zur Interessendurchsetzung.

Ob in den Eskalationen der Kriege und der Gewalt im Iran, in Gaza, in der Ukraine oder in Syrien: Die internationale Ordnung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bricht gerade zusammen. Als Antwort auf die zunehmenden globalen Verteilungskämpfe und die weiter eskalierenden Klimakrise wird für die autoritär Regierenden der Krieg zum scheinbaren Ausweg. Und dient der Sicherung von knapper werdenden Ressourcen und der Neuordnung globaler Handelsrouten, Lieferketten und neokolonialer Machtverhältnisse.

Für uns ist klar: Das ist und bleibt ein System ohne Zukunft.

Die Rhetorik der Alternativlosigkeit zementiert den Kern neoliberaler Politik. Austerität und Militarisierung werden zur einzigen denkbaren Strategie für Sicherheit und Fortschritt erhoben. Doch je gewöhnter und aufgerüsteter wir selber sind, desto direkter rasen wir in den Krieg, weil wir verlernen an etwas anderes zu denken, uns etwas anderes vorstellen zu können und letztlich auch anders zu handeln. Dass uns die gesamte politische Klasse keinen anderen Horizont anzubieten hat als Aufrüstung und Krieg, sollte uns wütend machen und nicht in Angst vor der Welt der Wölfe erstarren lassen.

Wir stellen uns Sicherheit anders vor als durch Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie, als durch Wehrpflicht und Bunkerbau, als durch hart sein, mehr arbeiten, weniger krank sein. Wir stellen sie uns anders als Deutschland als neue Militärmacht vor. Wir sind kriegsunwillig und laden alle ein, denen es genauso geht. Kommt auf die Straße, beteiligt euch!

Wir sehen uns Anfang September in Köln.

Das Rheinmetall-Entwaffnen-Camp vom 1. bis 6. September in der Kölner Innenstadt dient dem Austausch, der Vernetzung, dem Kennenlernen und dem Aktivwerden. Wo können wir in den verschiedenen Kämpfen und Strömungen zusammenkommen? Wo liegen Unterschiede in unseren Perspektiven und Herangehensweisen? Wie können wir aus der vermeintlichen Alternativlosigkeit des Krieges desertieren und unser gemeinsames Nein formulieren?

Wir sehen uns danach in Hamburg.

Zusammen mit Rheinmetall Entwaffnen werden wir uns während der Aktionstage vom 24. bis 26. September in Hamburg der zivil-militärischen Zusammenarbeit widersetzen. Im alten Elbpark oberhalb der Landungsbrücken schlagen wir mit einem großen Zirkuszelt unsere Störmanöverzentrale auf. Dort werden wir uns treffen, Material und Informationen teilen, dort werden wir die Aktionstage gemeinsam beginnen und beenden.

Während der Aktionstage werden viele von uns nach Hamburg kommen und sich mit jenen verbünden, die schon seit vielen Jahren in der Stadt Widerstand gegen die Katastrophe des kapitalistischen Normalzustandes organisieren. Wir werden koordiniert ins gesamte Stadtgebiet  ausschwärmen. Wir werden das Manöver stören und damit dafür  sorgen, dass Hamburg untauglich ist und bleibt. Wir lassen die beteiligten Akteure nicht aus der Verantwortung, auch wenn sie ihre Rolle inder Eskalationsspirale nicht wahrhaben wollen. Wir werden sie konfrontieren, markieren, blockieren, sabotieren. Mit einer Demonstration gegen Sozialkürzungen und Aufrüstung werden wir ein sichtbares Zeichen setzen: Wir scheißen auf die Logik des Stärkeren, denn unsere Nachbarschaften, unsere Solidarität, unsere Beziehungen haben ihre eigene Stärke, die auf Kooperation und nicht auf Durchsetzungskraft basiert.

Kommt mit uns nach Hamburg und beteiligt euch an dezentralen, gemeinsamen Aktionen und Demonstrationen. Werdet mit uns kriegsuntauglich!

Interventionistische Linke, Juli 2026


Di. 1.9. - So. 6.9. Camp Köln
Do. 24.9. - Sa. 26.9. ungehorsame, vielfältige, widerständige Aktionen in Hamburg (24.9. Aktionplenum, 26.9. Demonstration gegen Sozialkürzungen und Aufrüstung)
Weitere Informationen: https://rheinmetallentwaffnen.noblogs.org